Ja. Eine Impfung gegen Pneumokokken ist verfügbar.
Was sind Pneumokokken?
Pneumokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien aus der Familie der Streptokokken hervorgerufen. Sie sind weltweit verbreitet und werden von Mensch zu Mensch übertragen. Je nach Region der Welt und abhängig vom Alter sind verschiedene Pneumokokken-Stämme für unterschiedliche Krankheiten mit zum Teil lebensbedrohlichen Verläufen verantwortlich. So verursachen sie beispielsweise die Mehrzahl aller bakteriellen Lungenentzündungen.
Wie werden Pneumokokken übertragen?
Pneumokokken werden wie ein grippaler Infekt durch Tröpfcheninfektion übertragen – beispielsweise beim Husten oder Niesen. Die Bakterien finden sich im Nasen-Rachen-Raum vieler Menschen, ohne dass diese daran erkranken. Daher können sie auch von Gesunden weitergegeben werden.
Warum Pneumokokken bei manchen Menschen plötzlich Krankheiten auslösen und bei anderen nicht, ist nicht genau bekannt. Auch Gesunde können betroffen sein. Bei geschwächter Körperabwehr – zum Beispiel nach einer Viruserkrankung oder bei chronischen Erkrankungen – passiert dies jedoch leichter.
Wer ist besonders gefährdet?
Säuglinge und Kleinkinder sowie auch ältere Menschen erkranken häufiger an Pneumokokken. Denn mit zunehmendem Alter lassen die Abwehrkräfte des Körpers nach und chronische Krankheiten nehmen zu.
Welche Erkrankungen können Pneumokokken auslösen?
Pneumokokken können verschiedene Erkrankungen auslösen – darunter Nasennebenhöhlen-, Mittelohr-, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung. Darüber hinaus sind sie für 20 bis 50 Prozent aller durch Bakterien verursachten Lungenentzündungen bei älteren Erwachsenen verantwortlich. Einige dieser Erkrankungen können lebensbedrohlich verlaufen. Bei schwerem Verlauf stirbt etwa jeder Zehnte der Erkrankten an den Folgen der Pneumokokken-Infektion. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Warum ist die Impfung wichtig?
Pneumokokken-Erkrankungen können zwar mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings nehmen Resistenzen zu, so dass die Medikamente schlechter anschlagen. Der Schutz durch Impfung wird daher immer wichtiger.
Für wen ist die Pneumokokkenimpfung empfohlen?
Die Pneumokokkenimpfung ist in erster Linie indiziert für Personen jeden Alters mit erhöhtem Risiko einer Pneumokokkenerkrankung oder bei über 65-Jährigen von uns empfohlen:
Chronische Krankheiten
- Herzinsuffizienz
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), schweres Asthma, Bronchiektasen durch Antikörpermangel
- Leberzirrhose
- Anatomische und funktionelle Asplenie, Sichelzellanämie
- Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom
- Schlecht eingestellter Diabetes mit Herz- oder Niereninsuffizienz
Neoplasien
Lymphome, Leukämie, Myelome
Transplantation
Kandidaten und Empfänger einer soliden Organtransplantation, Stammzellenempfänger
Störungen des Immunsystems
- Autoimmunerkrankungen, die wahrscheinlich eine Immunsuppression erfordern
- Medikamentöse Immunsuppression
- HIV-Infektion
- Immundefizienz, z.B. Variables Immundefektsyndrom, Polysaccharid-Antikörpermangel
Weitere Indikationen
- Frühgeburt (< 33. Schwangerschaftswoche oder Geburtsgewicht < 1500g)
- Cochleaimplantat (in situ oder geplant)
- Schädelbasisfraktur / -Missbildung
Welche Nebenwirkungen hat die Pneumokokkenimpfung?
Häufig kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Ebenso können in den ersten drei Tagen nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.
Schwere Nebenwirkungen sind selten. Eine allergische Reaktion (z.B. Nesselsucht) ist möglich. Sehr selten kann sich die Zahl der Blutplättchen (verantwortlich für die Blutgerinnung) vorübergehend verringern.
Welche Impfstoffe sind verfügbar?
In der Schweiz sind 2 Impfstoffe für Erwachsene verfügbar:
- Pneumovax (23-valent): Muss alle 5-6 Jahre wiederholt werden
- Prevenar (13-valent): Muss nur 1x verabreicht werden, wird nicht wiederholt. Es muss aber bei diesem Impfstoff ein Abstand von 1 Jahr zu einer Pneumovax-Impfung eingehalten werden. Kann aber gleichzeitig mit einer Grippe-Impfung verabreicht werden.